Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V., 11.02.2021: Palliativmediziner Thöns erhält Deutschen Schmerzpreis

Berlin, 11. Februar 2021. Für sein Engagement in der Schmerz- und Palliativmedizin
haben die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) und die Deutsche
Schmerzliga e.V. (DSL) Dr. Matthias Thöns mit dem Deutschen Schmerzpreis 2020
ausgezeichnet. Dieser wird nachträglich beim diesjährigen Online-Kongress im März
verliehen. Thöns wurde einem breiten Publikum durch sein Buch „Patient ohne
Verfügung. Das Geschäft am Lebensende“ sowie durch seine erfolgreiche
Verfassungsbeschwerde gegen §217 des Strafgesetzbuches (StGB) zur
„geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ bekannt. Dr. Matthias Thöns arbeitet
als Palliativmediziner in Witten.

In seinem Buch „Patient ohne Verfügung. Das Geschäft mit dem Lebensende“ berichtet
Thöns von zahlreichen Fällen, in denen alte, schwerkranke Menschen intensivmedizinisch
behandelt werden, obwohl kein Therapieerfolg mehr zu erwarten ist. Er kritisiert, dass in
solchen Situationen häufig ökonomische Anreize im Vordergrund stehen, der
Patientenwunsch hingegen missachtet werde. Sein Appell: „Wir müssen in den Ausbau der
Palliativmedizin investieren, anstatt das Leiden alter Menschen durch Übertherapie qualvoll
zu verlängern.“

Dieser Forderung entsprechend gründete Thöns bereits 2005 das Palliativnetz Bochum und
fünf Jahre später das Palliativnetz Witten, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen
in ihrer letzten Lebensphase zuhause gut zu umsorgen und dafür Medizin, Pflege und
Hospizarbeit zusammenzubringen. „Als Palliativmediziner begleite ich zusammen mit
meinem Team jährlich 400 Menschen bis zu ihrem Tod. Meine Aufgabe ist es, ihre
Schmerzen und Beschwerden in hoffnungslosen Situationen so weit wie möglich zu lindern
und ein Sterben in vertrauter Umgebung zu Hause zu ermöglichen“, so Thöns.

Erfolgreich gegen §217 StGB

Bekannt wurde der Palliativmediziner außerdem durch seine Verfassungsbeschwerde, die
dazu führte, dass das Bundesverfassungsgericht im vergangenen Jahr das Verbot der
geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung (§217 Strafgesetzbuch) für verfassungswidrig
erklärt hat. Die Begründung: Das im Grundgesetz garantierte allgemeine
Persönlichkeitsrecht umfasse auch das Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Dieses Recht
wiederum schließe die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und hierbei auf die freiwillige
Hilfe Dritter zurückzugreifen. Ein Seminar zu diesem Thema „§217: Recht auf
selbstbestimmtes Sterben – Freiheit, Chance oder Herausforderung der Selbstbestimmung?“
findet am 10. März 2021, 15:15 – 16:45 Uhr, im Rahmen des Deutschen Schmerz- und
Palliativtages statt.

Am 13. März 2021 wird dann ebenfalls im Rahmen des Online-Kongresses der Deutsche
Schmerzpreis an Dr. Matthias Thöns verliehen. Der Preis wird seit 1986 jedes Jahr an
Persönlichkeiten vergeben, die durch ihre wissenschaftliche Arbeit oder ihr öffentliches
Wirken entscheidend zum Verständnis chronischer Schmerzen und der davon betroffenen
Patienten beigetragen haben. Der wissenschaftliche Träger des Preises ist die Deutsche
Gesellschaft für Schmerzmedizin, der Preis wird gemeinsam mit der Deutschen Schmerzliga
verliehen.

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Steckbrief Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE

Thema: Individualisierung statt Standardisierung – Schwerpunkt: Sichere Versorgung –
Versorgung sichern
Termin: 09. bis 13. März 2021
Ort: Der Kongress findet online statt.
Veranstalter: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.
Tagungspräsidenten: Dr. Johannes Horlemann / Dr. Silvia Maurer
Weiterführende Links:
www.dgschmerzmedizin.de
www.schmerz-und-palliativtag.de

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Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) ist mit rund 4.000 Mitgliedern und 125
Schmerzzentren die führende Fachgesellschaft zur Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen.
In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Schmerzliga e. V. ist es ihr vorrangiges Ziel, die Lebensqualität
dieser Menschen zu verbessern – durch eine bessere Diagnostik und eine am Lebensalltag des Patienten
orientierte Therapie. Dafür arbeiten die Mitglieder der DGS tagtäglich in ärztlichen Praxen, Kliniken,
Schmerzzentren, Apotheken, physiotherapeutischen und psychotherapeutischen Einrichtungen
interdisziplinär zusammen. Der von der DGS gestaltete jährlich stattfindende Deutsche Schmerz- und
Palliativtag zählt seit 1989 auch international zu den wichtigen Fachveranstaltungen und Dialogforen. Aktuell
versorgen gut 1.200 ambulant tätige Schmerzmediziner die zunehmende Zahl an Patienten. Für eine
flächendeckende Versorgung der 3,4 Millionen schwerstgradig Schmerzkranken wären mindestens 10.000
ausgebildete Schmerzmediziner nötig. Um eine bessere Versorgung von Menschen mit chronischen
Schmerzen zu erreichen, fordert die DGS ganzheitliche und bedürfnisorientierte Strukturen – ambulant wie
stationär – sowie eine grundlegende Neuorientierung der Bedarfsplanung.

 

Kontakt
Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.
Lennéstraße 9
10785 Berlin
Tel. 030 - 85 62 188 – 0
Fax 030 - 221 85 342
info@dgschmerzmedizin.de
www.dgschmerzmedizin.de
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Monika Funck
Tel. 0221 - 99 59 51 40
funck@eickhoff-kommunikation.de

(Foto: Marion Nelle)

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