Ambulantes Kinderhospiz München, 13.05.20: Systemrelevante ambulante Versorger im Gesundheitswesen sind in Not!

Pressemitteilung

Christine Bronner: Systemrelevante ambulante Versorger im Gesundheitswesen sind in Not!

München, 13. Mai 2020 – Die Corona-Krise belastet weiterhin spendenfinanzierte Organisationen wie die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München (AKM). Die Zukunft bleibt für die gesamte ambulante Versorgung in ganz Deutschland ungewiss. Denn für ambulante, systemrelevante Versorger des Gesundheitswesens, die auch in Corona-Zeiten rund um die Uhr im Einsatz für ihre Patienten und deren Familien sind, ist es sehr kompliziert, unter einen staatlichen Rettungsschirm zu kommen. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Spendenbereitschaft zum Ende des Jahres aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen stark abnehmen wird. Viele Organisationen des Gesundheitswesens geraten deshalb aufgrund ihrer hohen Spendenabhängigkeit zunehmend in existentielle Schwierigkeiten. Deshalb bittet Christine Bronner, Stifterin und Geschäftsführender Vorstand, die Politik, die Krankenkassen und die Verbände dringend um Unterstützung.

Aktuell sind besonders ambulante Dienste in ihrer Existenz bedroht, die Familien mit chronisch oder lebensbedrohlich schwersterkrankten Kindern oder Eltern betreuen. Dies betrifft insbesondere die ambulante (Kinder-)Hospizarbeit, die gesamte Nachsorge und vorhandene Beratungsstrukturen für pflegende Angehörige. „Die Spenden brechen ein und zugleich fallen die Versorger häufig durch das Raster der Rettungsschirme der Bundesregierung und der Länder, obwohl die hohe Spendenabhängigkeit bei diesen Organisationen bekannt und gewollt ist. Vielen betroffenen Familien droht deshalb gerade jetzt unter der bestehenden Extrembelastung noch der Verlust dieser gewohnten und wichtigen Unterstützung, denn viele der engagierten Vereine, Initiativen und Stiftungen stehen vor dem finanziellen Aus“, mahnt Christine Bronner und fügt hinzu: „Die Regierung hat in den letzten Wochen insgesamt ein sehr gutes Krisenmanagement geführt. Jedoch zeigt Corona auch deutliche Lücken im Gesundheitssystem auf. Sonst würden nicht so viele systemrelevante Organisationen in Existenznot geraten.“

Gerade in der Corona-Krise seien die ambulanten Versorger mit ihren Angeboten systemrelevant. „Unser Team muss aktuell mehr denn je Krisenintervention leisten und für unsere Familien in der Pflege und im Alltag da sein. Damit vermeiden wir Klinikeinweisungen und entlasten das Gesundheitssystem. Aber wie sollen am Ende die Gehälter unserer hochbelasteten MitarbeiterInnen bezahlt werden, wenn die Spenden aufgrund der CoronaKrise ausbleiben und die Finanzierung nicht anderweitig gesichert ist?“, fragt Christine Bronner und erklärt weiter: „Die Rettungsschirme werden in Bund und Ländern immer weiter gespannt, aber die spendenabhängigen, systemerhaltenden ambulanten Dienste in der Patientenversorgung sind weitgehend sich selbst überlassen – das ist ein Unding.“


Höhere Gehälter, geringere Spendenabhängigkeit! 

Den Corona-Pflege-Bonus begrüßt Christine Bronner sehr. Jedoch dürfe es nicht allein bei der Bonuszahlung bleiben, sondern die Wertschätzung der Pflege müsse sich nachhaltig in den Gehältern abbilden. Dies gelte nach Meinung von Christine Bronner jedoch ebenso für andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen. „Warum sollen Therapeuten, Hebammen, Sozialpädagogen, Heilpädagogen oder Psychologen keinen Bonus für ihre Leistungen in den letzten Wochen bekommen? Sie alle riskieren aktuell auch ihr Leben und leisten derzeit ungemein viel. Sie haben ebenfalls einen Bonus und viel Wertschätzung verdient. Hier sollte man nicht mit zweierlei Maß messen“, sagt Christine Bronner. Auch die Gehaltssituation aller systemrelevanten Berufsgruppen in der ambulanten Patientenversorgung muss sich – wie in der Pflege – ihrer Meinung nach ebenfalls insgesamt deutlich verbessern.

Der Bedarf nach einer verbesserten Finanzierung gilt in letzter Konsequenz natürlich auch für die spendenabhängigen Arbeitgeber. „Die hohe Spendenabhängigkeit vieler Organisationen im Gesundheitswesen gerade bei Regelleistungen ist weder für die nachhaltige Sicherung der Patientenversorgung noch zum Erhalt von Arbeitsplätzen hilfreich und zudem nicht angemessen“, findet Bronner. „Dies gilt auch für unsere Stiftung. Geht es so weiter, wird der Bestand unerlässlicher Angebote für die Patienten und ihrer Familien nachhaltig dezimiert, verbleibende Organisationen werden überfordert, das reduzierte Angebot schadet den Patienten und ihren Familien und der Verlust ist auch nicht wieder gut zu machen.“

Die Stiftung AKM betreut derzeit bayernweit mehrere hundert Familien, also insgesamt mehrere tausend Personen jährlich in ganz Bayern, und berät auch deutschlandweit. Die hauptamtlichen Mitarbeiter aus dem operativen Bereich stehen immer, auch aktuell, in einem engen Austausch mit den Familien, sei es rund um die Uhr telefonisch bzw. per Video oder bei Bedarf persönlich bei den Familien, zu Hause oder in der Klinik. Diese Besuche finden unter strengster Einhaltung aller Corona-Hygieneregeln nach Vorgaben des Robert KochInstituts mit der notwendigen Schutzausrüstung statt. Auch der Kriseninterventionsdienst RUF24 steht weiterhin unter der Rufnummer 0157 733 11110 rund um die Uhr zur Verfügung. Unter dieser Krisenhotline können sich derzeit alle Familien Hilfe holen, die wegen Corona in Bedrängnis geraten oder selbst betroffen sind von einer Erkrankung, zusätzlich zu den Familien, in denen ein Kind, Jugendlicher, junger Erwachsener oder Elternteil entweder bereits chronisch oder lebensbedrohlich erkrankt ist.


Kontakt:

Christiane Schoeller PR & Öffentlichkeitsarbeit, Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München - AKM, Blutenburgstraße 64+66, 80636 München  - Tel.: + 49 89 588 03 03 12 - Mobil: +49 178 80 58 001 Mail: christiane.schoeller@kinderhospiz-muenchen.de 


Über Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München (AKM):

Seit 2004 betreut die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München (AKM) Familien mit unheilbarkranken und lebensbedrohlich schwersterkrankten Ungeborenen, Neugeborenen, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in München und ganz Bayern. Dabei wird das Team aus hauptamtlichen Ärzten, Psychologen, Krankenschwestern, Heilpädagogen, Therapeuten und Sozialarbeitern von über 350 Ehrenamtlichen in den Bereichen Familienbegleitung, Krisenintervention und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Ziel soll es sein, den Familien in dieser schwierigen Zeit eine feste Stütze zu sein und Momente der Sicherheit, Geborgenheit und Normalität zu schenken.

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