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SZ, 26.08.15: Ihre Post zu Sterbehilfe

Ihre Post zu Sterbehilfe

Nichts ist so schwer, wie über Leben und Tod zu entscheiden. Kann es bei Sterbehilfe eine eindeutige Antwort geben? Die SZ-Leser und -Leserinnen diskutieren den Gastbeitrag von Manfred Alberti.

Keine Entmündigung
"Recht auf würdigen Abschied" von Manfred Alberti (22./23. August): Der Gastbeitrag ist nicht deshalb besonders ärgerlich, weil er die Position des gnädigen Sterbenlassens nicht mehr einwilligungsfähiger schwerstkranker Patienten ohne Patientenverfügung vertritt, sondern weil er eine Reihe von Fehlinformationen verbreitet. Erstens suggeriert er, dass es in den Kliniken einen rechtlich abgedeckten Automatismus der Lebenserhaltung gäbe, wenn keine Patientenverfügung vorliegt und kein Bevollmächtigter benannt ist. Richtig ist, dass in solchen Fällen der behandelnde Arzt verpflichtet ist, den mutmaßlichen Willen des Patienten zu ermitteln (etwa durch Befragung von Angehörigen oder nahestehenden Personen).


SPON, 26.08.15: Sterbehilfe: Bundestagsjuristen beanstanden Gesetzentwürfe

Sterbehilfe: Bundestagsjuristen beanstanden Gesetzentwürfe

Drei der vier bisher vorgelegten Gesetzentwürfe zur Neuregelung der Sterbehilfe verstoßen möglicherweise gegen das Grundgesetz. Dies gehe aus Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags hervor, schreibt die "Welt". Die Neuregelung der Sterbehilfe ist eines der schwierigsten Gesetzgebungsvorhaben dieser Legislaturperiode. In erster Lesung hatten die Abgeordneten Anfang Juli über die insgesamt vier fraktionsübergreifend erarbeiteten Gesetzentwürfe diskutiert. Der Bundestag will künftig geschäftsmäßige Sterbehilfe von Vereinen oder Einzelpersonen verbieten. Was aber als Beihilfe zur Selbsttötung erlaubt sein soll, ist strittig. Im Herbst, wohl im November, wollen die Parlamentarier über eine neues Gesetz entscheiden.


DIE WELT, 26.08.15: Neuen Sterbehilfe-Regeln droht Aus in Karlsruhe

Die Juristen des Bundestages haben große Zweifel, dass die Gesetzentwürfe zur Sterbehilfe der Verfassung entsprechen. Grundgesetzkonform scheint nur ein Totalverbot – oder Straffreiheit wie bisher. Deutschlands bekanntester Sterbehelfer hat den Gang nach Karlsruhe schon angekündigt: Roger Kusch will mit seinem Verein Sterbehilfe Deutschland Verfassungsbeschwerde einlegen, falls der Bundestag im November ein Verbot oder eine strenge Regulierung der Suizidhilfe beschließen sollte.


AerzteZeitung, 24.08.15: DGHO lehnt Änderung des Strafrechts ab

DGHO lehnt Änderung des Strafrechts ab

In der Sterbehilfe-Debatte fordert die DGHO eine Versachlichung der Diskussion - und erteilt den vier vorgelegten Gesetzentwürfen eine Absage.

BERLIN. Die ärztlich assistierte Selbsttötung ist laut Deutscher Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) kein Fall für das Strafrecht. Das schreibt sie in einer Mitteilung. "Mit einem Gesetz würde Ärzten und Patienten der Freiraum genommen, den es in - selten vorkommenden - Situationen braucht", erklärt Professor Mathias Freund, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO. "Wenn sich Patienten selbstverantwortlich zu einer Selbsttötung entscheiden, dann dürfen wir sie als Ärzte nicht allein lassen."


SWR, 24.08.15: Hochzeit in letzter Minute

Hochzeit in letzter Minute

Ein todkranker Mann in der Palliativstation am Uniklinikum Mannheim hatte am Samstag nur noch einen Wunsch - er wollte seine Freundin heiraten. Doch das war gar nicht so einfach.


SZ, 21.08.2015: Recht auf würdigen Abschied

Recht auf würdigen Abschied

Deutschland streitet über die Sterbehilfe und klammert dabei die drängendste Frage aus.

Die Debatte um Sterbehilfe konzentriert sich bisher auf Menschen, die sterbenskrank sind, aber bei vollem Bewusstsein selbst entscheiden können, ob sie ihrem Leben ein Ende setzen und dazu Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Nirgendwo werden jene häufig sehr alten Menschen erwähnt, die fast ohne Bewusstsein monate- oder jahrelang in ihrem Bett liegen, kaum noch Äußerungen von sich geben können, aber durch künstliche Ernährung, Herzschrittmacher oder Medikamente am Leben erhalten werden. Da sie keine Patientenverfügung unterzeichnet und keine Kinder oder Betreuer bevollmächtigt haben, die über einen Behandlungsabbruch entscheiden könnten, werden sie am Leben erhalten, solange nicht eine zusätzliche Erkrankung ihrem Leben ein Ende setzt


Apotheken Umschau, 18.08.15: Ein besseres Recht auf Sterben in Würde

Ein besseres Recht auf Sterben in Würde

Die Palliativmedizin ist mehr als Händchenhalten bei todkranken Menschen. Das schlägt sich jetzt auch politisch nieder. Ein neues Gesetz wertet die Versorgung der Patienten auf. Das Hospiz- und Palliativgesetz, das Ende April vom Bundes­kabinett beschlossen wurde, könnte den Umgang mit Sterbenden in Deutschland verbessern. Zumindest ist das die Hoffnung von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der für den Entwurf verantwortlich zeichnet: „Jeder schwerstkranke Mensch soll die Hilfe und die Unterstützung bekommen, die er sich in der letzten Lebens­phase wünscht.“


ZEIT ONLINE, 16.08.2015: Vaters letzter Wille

Vaters letzter Wille

Ein 90-jähriger Mann will sterben und bittet seinen Sohn um Hilfe. Sie bereiten seinen Selbstmord akribisch vor und treffen doch auf ungeahnte Widerstände.

Bevor Volker Schnell seinem Vater beim Selbstmord hilft, kocht er schwarzen Tee und stellt Zitronenkuchen auf den Couchtisch. Daneben legt er drei Teller, Tassen, Gabeln, außerdem zwei Fotoalben. Sein Vater ist neunzig, er sitzt im Rollstuhl, und seine Augen sind so schwach, dass er die Bilder kaum noch erkennen kann. Dennoch drapiert Volker Schnell die Alben mit Bedacht auf dem Tisch. Alles soll harmlos aussehen, falls überraschend Polizisten an der Haustür klingeln.


Deutsches Aerzteblatt, 10.08.2015: Lebensmüdigkeit zunehmend Motiv für Sterbehilfe in den Niederlanden und in Belgien

Lebensmüdigkeit zunehmend Motiv für Sterbehilfe in den Niederlanden und in Belgien

Amsterdam/Brüssel – Eine „Lebensendeklinik“ aus den Niederlanden führt laut einer Studie in JAMA Internal Medicine (2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.39) in seltenen Fällen auch bei allgemeiner Lebensmüdigkeit eine Sterbehilfe durch. Auch in Belgien sind zunehmend außermedizinische Gründe Auslöser von Sterbehilfe und Euthanasie, wie ein Leserbrief (2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.3982) zeigt.