aerzteball.de: Ärzteschaft Palliativversorgung soll verbessert werden

Mittwoch, 8. September 2010
Quelle: aerzteblatt.de

 

Berlin – Eine „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen“ hat die Bundesärztekammer (BÄK) heute in Berlin vorgestellt. Vorangegangen ist ein zweijähriger Arbeitsprozess, den die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) und die BÄK im September 2008 in Gang gesetzt hatten. Rund 50 gesellschaftlich und gesundheitspolitisch relevante Institutionen haben sich bei der Abfassung der Charta eingebracht. 

 

„Die Charta soll dazu beitragen, die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Themen Sterben und Sterbebegleitung zu fördern. Sie soll eine grundlegende Orientierung und ein wichtiger Impuls für die Weiterentwicklung der Palliativmedizin sein“, sagte Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der BÄK. Es gehe darum aufzuzeigen, wie eine Palliativversorgung aussehen müsse, die sich nach den tatsächlichen Bedürfnissen unheilbar kranker und sterbender Menschen richte.

 

„Wir Ärztinnen und Ärzte setzen uns dafür ein, Schwerstkranken und Sterbenden ein Sterben unter würdigen Bedingungen zu ermöglichen und insbesondere Bestrebungen nach einer Legalisierung der Tötung auf Verlangen eine Perspektive der Fürsorge und des menschlichen Miteinanders entgegenzusetzen“, sagte Hoppe.

Die Charta zeigt in fünf Leitsätzen und ergänzenden Erläuterungen gesellschaftspolitische Herausforderungen auf, benennt Anforderungen an die Versorgungsstrukturen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung, skizziert Entwicklungsperspektiven für die Forschung und misst den Stand der Betreuung schwerstkranker Menschen in Deutschland an europäischen Maßstäben.

 

„Das Thema Sterben gehört zum Leben, es darf nicht verdrängt oder ausgeklammert werden, sondern gehört in die Mitte der Gesellschaft“, hob Christof Müller-Busch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, bei der Vorstellung der Charta hervor. In Deutschland stürben jedes Jahr über 800.000 Menschen.

„Weder in der Gesundheits- noch in der Sozialpolitik, weder bei den Bildungsausgaben noch in der öffentlichen Kommunikation wird ein Sterben in Würde, werden Tod und Trauer explizit bzw. angemessen berücksichtigt“, kritisierte Müller-Busch.

 

Birgit Weihrauch, Vorstandsvorsitzende desDeutschen Hospiz- und Palliativverbandes, betonte, alle Menschen, die in ihrer letzten Lebensphase einer Palliativversorgung bedürfen, müssen auf eine umfassende, menschenwürdige Begleitung und Betreuung vertrauen können.

 

Immer noch aber würden viele Menschen von solchen ambulanten und stationären Angeboten nicht erreicht; sie litten unter Schmerzen und anderen belastenden Symptomen und fühlten sich häufig an ihrem Lebensende alleingelassen.

 

Die Erarbeitung der Charta haben die Robert Bosch Stiftung und die Deutsche Krebshilfe gefördert. Institutionen können mit ihrer Unterschrift dokumentieren, dass sie Ziele und Inhalte der Charta mit tragen und für diese eintreten.

 

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