Berlin, 29. Juni 2010
Deutliche regionale Unterschiede bei der Versorgung sterbenskranker Menschen in Deutschland zeigt eine Studie des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes und der Universität Augsburg. Unterschiedliche Verhältnisse gebe es insbesondere zwischen Stadt und Land, heißt es in der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Untersuchung. Die Wahrscheinlichkeit, zu Hause zu sterben, sei auf dem Land geringer als in einer Stadt.
Die Studie verweist in diesem Zusammenhang zugleich darauf, dass das Vorhandensein von stationären Hospiz- und Palliativeinrichtungen zu mehr Einweisungen in stationäre Einrichtungen führt. Die Vorsitzende des Palliativverbands, Birgit Weihrauch, forderte deshalb einen Ausbau der ambulanten Hospizarbeit. „Die Mehrzahl der Menschen möchte zu Hause sterben, wir haben aber die Möglichkeiten in diesem Bereich noch längst nicht ausgeschöpft“, sagte sie.
Nach den Ergebnissen der Studie leisten vor allem Frauen im höheren Alter und mit eher höherem Bildungsniveau Hospizarbeit. Hauptamtliche Mitarbeiter sind zu 93 Prozent weiblich; sie sind meist zwischen 31 und 50 Jahre (64 Prozent) alt oder älter (51-65 Jahre: 33 Prozent). 54 Prozent haben Abitur und 40 Prozent einen Realschulabschluss; 84 Prozent verfügen über eine abgeschlossene Palliative-Care-Weiterbildung.
Auch die Ehrenamtlichen sind zu 90 Prozent weiblich und zumeist im Alter von 51 bis 65 Jahren (44 Prozent) oder älter (35 Prozent). Sie sind zu 66 Prozent nicht erwerbstätig, waren es jedoch in der Vergangenheit fast durchgehend. Zum Befragungszeitpunkt bezeichneten sich die meisten als Rentnerin (45 Prozent) oder Hausfrauen (18 Prozent).
Am häufigsten stellen die Angehörigen den Erstkontakt zum Hospizdienst her. Auch das Alten- oder Pflegeheimpersonal ist oft direkt in den Erstkontakt einbezogen. An letzter Stelle stehen Haus- und Fachärzte. Weihrauch forderte deshalb eine verstärkte Werbung und Aufklärung der medizinischen Berufe.
Die Autoren der Studie verweisen darauf, dass der Kontakt zu Hospizdiensten häufig erst sehr spät aufgenommen werde, also erst in einer Notsituation. Selten gebe es eine vorausschauende Planung.
Laut Studie könnte das auch mit einem „offenbar immer noch problematischen Bild von Hospiz“ zusammenhängen. Viele Menschen seien der Meinung: „Wenn das Hospiz kommt, geht's in Kürze ans Sterben.“ Viele Befragte wüssten auch gar nichts mit dem Begriff Hospiz anzufangen.
In Deutschland gibt es laut Verband derzeit rund 1.500 ambulante Hospizdienste, 162 stationäre Hospize und 166 Palliativstationen. Rund 80.000 Bundesbürger engagieren sich ehrenamtlich.
© kna/aerzteblatt.de
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