Liverpool Care Pathway

Der Liverpool Care Pathway wurde in den späten 1990er Jahren in der Royal Liverpool University Hospital, in Verbindung mit der Marie Curie Palliative Care Institute entwickelt.

Zunächst nur für unheilbare Krebspatienten entwickelt, wurde der Behandlungsrahmen des LCP mehr und mehr auf sämtliche Patientengruppen ausgeweitet, die in Sterben liegen.
Ziel des LCP ist von Beginn an eine einheitliche, qualitativ hochwertige, würdevolle Betreuung sterbender Patienten zu bieten - ob im Krankenhaus, zu Hause, in einem Pflegeheim oder in einem Hospiz.

Früher entwickelten sich Bedenken einer lückenhaften Pflege. Einige Krankenhäuser wären nicht in der Lage, die akzeptablen Standards zu erreichen.  In diesem Zusammenhang erwirkte der LCP eine Debatte über die Zustände der britischen Krankenhäuser, die bis heute spürbar ist. Der LCP sei „keine Entschuldigung für schlechte Pflege“ heißt es dazu von offizieller Seite.   
Unter dem LCP, werden die Patienten regelmäßig überprüft, ob Medikamente gestoppt werden sollten - und ob die Verabreichung von Flüssigkeiten zurückgezogen werden soll, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, Essen und Trinken aufzunehmen. Allerdings beschwerten sich Angehörige: Ihre Verwandte waren ohne ihre Zustimmung nach den Standards des LCP behandelt worden.
Kritiker sagen, es ist unmöglich für Ärzte, vorherzusagen, wann der Tod unmittelbar bevorsteht, so dass die Entscheidung, einen Patienten anhand des LCP zu behandeln, im schlimmsten Fall eine selbst erfüllende ist.

In Großbritannien gab es außerdem Hinweise darauf, dass der LCP verwendet wurde, um Krankenhausgeld zu sparen. In den sogenannten NHS Trusts Auszahlungen für das Erreichen von Behandlungszielen im Zusammenhang mit seiner Nutzung - aber der Vorwurf, dass der LCP aus diesen zynischen Gründen verwendet werde, entkräftete das Gesundheitsministerium mit aller Deutlichkeit.

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Qualitätssicherung ist ein mehrgleisiger Weg. Der Liverpool Care Pathway (LCP) ist ein Weg, ein Betreuungskonzept. Anfang der 1990er Jahre entwickelt, ist seine Umsetzung auch auf dem europäischen Festland mittlerweile weit verbreitet.

Ziel des LCP ist eine umfassende Versorgung Schwerst- und Todkranker in den letzten Tagen und Stunden ihres Lebens. Das Modell greift insbesondere in Einrichtungen, so wird es von der Uniklinik Köln eingeordnet, „deren Hauptarbeitsfeld nicht die Palliativversorgung ist (zum Beispiel Nicht-Palliativstationen im Krankenhaus, stationäre Pflegeeinrichtungen, Pflegedienste und Sozialstationen)“. Dort kann das Konzept helfen „den komplexen und anspruchsvollen Aufgaben, die die Betreuung in der Sterbephase mit sich bringt, gerecht zu werden.“ Dabei unterteilt der LCP den Behandlungsprozess in 10 Schritte. Von der Feststellung, dass ein Patient unheilbar ist bis zur Nachversorgung der Angehörigen werden Standards entwickelt und vermittelt.

Doch nicht zuletzt an dieser Stelle regt sich Widerstand gegen den LCP. Kritiker werfen dem LCP vor, das die Einordnung in die bürokratische Konzeption schlussendlich über der Pflege des Patienten steht. Es wird von Fällen berichtet, in denen Patienten gegen ihren Willen behandelt wurden, nur um vom vorgegebenen Behandlungspfad nicht abzuweichen. So berichtete die Daily Mail im Herbst 2012 von Andy Flanagan. Der 48-Jährige war von seinem Doktor bereits für unheilbar erklärt worden und es wurde der LCP eingeleitet. Unter Anleitung von Flanagans Schwester, einer Krankenschwester, widersetzte sich die Familie jedoch dem Protokoll und konnte ihn schlussendlich zurück ins Leben holen.

Inwiefern es sich hierbei um ein strukturelles Problem oder um individuelle, ärztliche Schlamperei handelt ist nicht klar zu sagen. Trotzdem, der Verdacht besteht, dass im LCP die bürokratischen, ordnungsgerechten Anläufe über die individuelle Situation des Patienten gestellt werden. Zu diesem Schluss kommt auch das aktuelle Gutachten der Marie Curie Palliative Care Institute Liverpool (MCPCIL). Die unabhängige Kommission des LCP kam am 15. Juli 2013 ihrem Auftrag nach, die Wirksamkeit der jetzigen Bahandlungs-Form zu überprüfen. Das Ergebnis wird bereits in der Überschrift des Berichts deutlich: More Care, Less Pathway, heißt dieser, mehr Pflege, weniger Leitung.

Die Starrheit des LCP soll aufgebrochen werden und nur noch als Grundprinzip der Palliativversorgung weiter Geltung besitzen. Wie die BBC berichtet, soll das LCP in Großbritannien in den nächsten 6 – 12 Monaten auslaufen und einer flexibleren Behandlungsroutine Platz machen, dem sogenannten end-of-life-care-plan. In Deutschland ist die Reaktion eine vorsichtigere, gleichwohl auch hier hat der Bericht seine Auswirkungen.

Die Uniklinik Köln fasst ihre Reaktion auf die Ergebnisse in drei Punkten zusammen: Der LCP kann und sollte zunächst in Deutschland, wie bisher weiter verwendet werden. Alle laufenden Implementierungsprojekte können weitergehen. Das bisherige Registrierungsverfahren bleibt unverändert. In der weiteren Entwicklung werden die wesentlichen Inhalte des LCP, wie die Kommunikation über das Sterben und die Gestaltung des Behandlungsplans sowie ein umfassendes Schulungsprogramm weiter im Mittelpunkt stehen. Die Form des Pathway wird dabei in den Hintergrund treten. Für die bisherige Entwicklung von Betreuungskonzepten in der Sterbephase hat der LCP international wichtige und unersetzliche Impulse gegeben.

Deshalb werden die Grundprinzipien des LCP auch in der weiteren Entwicklung hin zu einem „end-of-live-care-plan“ erhalten bleiben.

Weitere, allgemeine Infos und über aktuelle Entwicklungen des LCP gibt es auf: http://palliativzentrum.uk-koeln.de/zentrum-palliativmedizin/liverpool-c...

Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen an info@palliativ-portal.de.

 

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Stellungnahme von Dr. Bükki, München (Neu: 21.10.2013)


Kommentare

Es wird der Eindruck vermittelt, der LCP sei ein bürokratisches Programm zur standardisierten Behandlung Sterbender und hauptsächlich für den Nicht-Palliativbereich vorgesehen. Dies ist inhaltlich falsch: er lediglich ein Dokument, welches dazu anhält,
- multiprofessionell zu entscheiden und die Entscheidung regelmäßig zu überprüfen,
- an alle Dimensionen (Symptomkontrolle, Kommunikation, Trauer) am Lebensende zu denken und
- individuelle Bedürfnisse von Patienten und Familien zu berücksichtigen.
An keiner Stelle wird durch den LCP ein Standard vorgegeben. Er dient als strukturierter Behandlungspfad und „lernendes System“ dazu, die Qualität der Betreuung Sterbender zu verbessern –Abteilungen, wo selten gestorben wird, gewinnen Sicherheit, aber auch routinierte Teams profitieren (dies ist etwa die langjährige Erfahrung im Kantonsspital St. Gallen, CH). Die 10 Schritte beschreiben außerdem nicht einen „Behandlungsprozess“, sondern den mehrmonatigen Implementierungsprozess mit Schulung, Reflektion und Evaluation. Somit kann eine multiprofessionelle Kultur des Umgangs mit dem Sterben nachhaltig gefördert werden.
Der LCP ist ein erprobtes Instrument zur Verbesserung der Betreuung am Lebensende und rückt diese vielerorts überhaupt erst in den Blickpunkt. Was die Verschiebung hin zu einem „End-of-life care plan“ bewirken wird, bleibt abzuwarten. Eine schlechte Betreuung am Lebensende ist jedoch nicht hinnehmbar (J. Ellershaw).

Bitte also nicht unkritisch Beurteilungen aus UK oder sonstwoher übernehmen! Und warum das Ulla-Schmidt-Zitat? Gerade sie stand ja für die entfesselte Privatisierung und Mittelkürzungen…

Dr. Bükki, München

Bild von Admin

Sehr geehrte Damen und Herren,

Dem Text von Ulla Schmidt zum Thema "Wo Bürokratie ist, da sind Schubladen", der über die britische Studie zur Wirksamkeit des LCP berichtet, ist tendenziell zuzustimmen. Unsere Erfahrungen stützen sich auf dessen Erprobung in zwei Pflegeheimen, die ganz ähnlich wie hier berichtet, verdeutlicht haben, dass der LCP einerseits als strukturelle und fachliche Navigationshilfe sehr nützlich ist, aber andererseits der damit einhergehende Dokumentationsaufwand Ressourcen bindet, die der unmittelbaren Versorgung und Pflege Sterbender verloren geht. Gerade jedoch wegen seiner Steuerungsfunktion wollen wir – gemäß den Empfehlungen des deutschen Koordinationszentrums zum LCP (Zentrum für Palliativmedizin der UKL Köln) – auf dieser Ebene den LCP weiter verwenden. Dabei suchen auch wir unseren Weg nach "More Care, Less Pathway".

Auf Kleinigkeiten möchte ich dennoch hinweisen:

Am Beispiel des Patienten Andy Flanagan wird geschildert, dass dieser in den LCP aufgenommen worden wäre, da er von "einem Doktor" als unheilbar eingestuft worden war. Das kann nicht Ziel des LCP sein. Dieser legt vielmehr fest, dass Patienten in einem ziemlich anspruchsvollen Abstimmungsprocedere von einem multidisziplinären Team + Angehörigen (falls verfügbar), und nicht nur von "einem Doktor", als sterbend (und nicht als unheilbar) identifiziert werden. Diese Feststellung muss alle drei Tage überprüft werden und vor allem revidiert werden, wenn nur einem Mitentscheider Zweifel an der Richtigkeit dieser Feststellung kommen. Die Festlegung wiederum, ob jemand "unheilbar" ist oder aber sterbend, das sind zwei sehr unterschiedliche Anforderungen, die in diesem Text unzulässig vermischt werden.

Wir würden uns freuen, wenn Sie diesen Hinweis dem veröffentlichten Text gegenüber stellen würden.

Mit freundlichen Grüßen, E. Müller.

Dr. phil. Elke Müller
Pflegewissenschaftlerin

Projekt PKMS/Projekt LCP
Projektkoordination

T: 06221 319 1778
M: emueller@bethanien-heidelberg.de

AGAPLESION BETHANIEN KRANKENHAUS HEIDELBERG gemeinn. GmbH
Rohrbacher Straße 149, 69126 Heidelberg

Zu meinen Aufgaben als Beauftragte für Palliative Care und Ethik in einem Plegeheim gehört die Dokumentation mittels LCP einzuleiten. Es ist zeitlich aufwändig. Müssten meine Kollegen die Anamnesedaten eingeben, würde ihnen die Zeit dafür fehlen. Dafür bin ich da - zum Glück. Ich halte den LCP für das bisher geeignetste Mittel alles was ein Sterbender braucht ,oder auch nicht braucht, festzuhalten. Die o. a. Einwände leuchten mir überhaupt nicht ein.

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